Hṛdaya

Das Herz Śivas

[von √ hṛ nehmen und √dā geben]


Mein Herz ist die Realität an sich, jenes welches wirklich existiert.
Reden wir über das Herz, so reden wir über Gott.
Über das Herz zu Reden, ist wie über Gott zu reden,
denn Er ist wie ein lebendes Herz, pulsierend, Leben schenkend.

Das Herz ist tadyaṁ vastu, jenes welches wirklich existiert.

Das Herz ist der Ort, wo wir prakāśa und vimarśa immerzu finden können.
Prakāśa, dieses Licht des Herrn und vimarśa, diese Gewahrsamkeit des Herrn.
Mit Ihr können wir an Ihm teilhaben.

Gott hört nie auf aktiv zu sein, diese Aktivität nennen wir die Schwingung des Herzens oder den Puls des Herzens, spanda.

Schauen wir einmal, wie wir diese Gewahrsamkeit üben können …

„Wir verehren den Herrn im Zentrum unseres Herzen als unser eigenes wahres und ewiges Wesen.”

Meditation ist Verehrung!

Der Selbst-bezogenen Charakters des Bewusstseins besteht aus dem erwachten Herz und dieses ist Wundern und Staunen über die absolute Fülle des Bewusstseins.

Mit der Ausatmung fließt die Kraft der Gewahrsamkeit in die Welt der Objekte und mit einer Einatmung fließt die Kraft der Gewahrsamkeit zurück ins Herz.

Das Herz ist die Basis von allem als spanda!

Wenn wir z. B. verliebt sind, so schlägt unser Herz, es vibriert; dies ist die Art von Resonanz, Schwingung, nach welcher wir suchen...

Bewusstsein ist die reflektive Gewahrsamkeit vimarśa und wird die spontane und ewig manifeste Schwingung spanda des höchsten Herzens genannt.

Das Wichtigste ist es, so Svāmi Laksmanjoo, “… die Gewahrsamkeit aufrecht zu halten.“
Mühe dich stetig und erinnere dich des Herrn.
Das nennen wir Yoga.

Es ist das Herz jenes, welches zwischen zwei Dingen liegt und diese meditiert.

...zwischen Ein- und Ausatmung, einem Atemzug und dem nächsten,
zwischen einem Gedanken und dem nächsten,
dem Sein und dem Nichtsein.

Und indem wir uns um den Atem kümmern, findet vieles von selbst statt,
denn die reine Atemgewahrsamkeit ist Liebe.

Hier im Herzen, treffen sich die Transzendenz und die Immanenz,
Makrokosmos und Mikrokosmos.
Es ist auch in Ruhe, passiv. Dies ist das Herz Bewegung und Ruhe, Stille und Puls!
Kleiner als das Kleinste im Zentrum meines Seins.
„Wie ist es? Unbeschreiblich. Einzigartig. Es gibt hier kein Ende des Staunens.
Alle Religionen besingen es. Kein Wort schafft es, dieses zu verehren, so großartig ist es.”
Hier üben wir das Staunen über das Herz.

(Dr. Mark Dyczkowski)

Im Zentrum Śivas befindet sich etwas, welches konstant in die Welt überschäumt, überfließt, austritt.
Das Zentrum ist stabil, der Rest, das Universum, bewegt.

Das Herz ist viśvasyālaya, jenes welches alles enthält, alles kommt dort raus und ebenso wieder zur Ruhe. Als solches ist es auch der Ort der Schöpfungskraft (visarga).

Das Herz ist Nāda, der Klang der Klänge. Er tönt im Herzen eines jeden Lebewesens, als der Klang der reinen Selbstgewahrsamkeit des Herrn. Dort findet alles statt, und doch wird nichts gemacht.

Das Herz ist Camatkāra Staunen, denn es ist kleiner als das Kleinste und größer als das Größte. Kein Wort schafft es dieses zu beschreiben (anākhya), so großartig ist es, hier üben wir Staunen.

Das Herz ist Pratiṣṭhasthāna, dort wo alles angebracht ist, auf welchem alles beruht. Hier ist Bewusstsein wie eine Statue, angebracht auf dem Fundament des Herzens, wie die Gottheit im Tempel, welche sich so ihrer Verehrung anbietet, ... dem Erkennen dessen, wer oder was wir sind.

Abhinavagupta weist darauf hin, dass man zuerst ein sahdaya sein muss, d.h. jemand, der ein Herz hat, vom Herz ergriffen ist. Damit meint er jemanden, der bezüglich seiner Herzensschwingung sensibel ist und diese als eine meditative Wonne erfahren kann.

Das Herz steht für stetige Bereitschaft, ...für den Prozess der spontanen Erleuchtung. Die direkte Erfahrung im Herzen ist dabei wichtig, ein Wort, welches benutzt wird ist svikartavya, „es sich eigenmachen”.

Abhinavagupta hierzu:

„Die Wahrnehmung des Herzen muss richtig geschehen, man muss sie sein eigen machen, wie eine Realität, welche von Gegensätzen entleert ist, deren Wesenheit es ist, dass es auf einmal erscheint, frei von Zeit. Die Realität des Herzens muss man selber erfahren. Es ist nicht genug, darüber unterrichtet zu werden, oder nur es zu versuchen, sich vorzustellen.”


„Wo und wann auch immer, wenn man in das Herz einkehrt,
so wird die Realität des Herzes hell aufleuchten.”


 

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